“Solaris” in Kroatien – 16. und 17.07.2010 – Anreise
Anreise | Sonntag | Montag | Dienstag | Mittwoch | Donnerstag | Freitag | Samstag | Sonntag | Montag | Abreise
18:25 Uhr … endlich ist es soweit. Den Volvo haben wir den ganzen Tag über schön gemütlich beladen, Zeit aufzubrechen. Noch zweimal durch’s Haus laufen und kontrollieren ob wirklich alle Türen und Fenster geschlossen sind, keine elektrischen Geräte mehr laufen und der Überlauf an der Heizung wirklich so aussieht, als würde er funktionieren. Alles bestens, wir fahren los. Unser Ziel ist “Solaris”, eine Campingplatzanlage in Kroatien zwischen Porec und Novigrad. Ich werde dieses Jahr das 12. Mal dorthin fahren. Mit Alex war ich in 2001 das letzte Mal dort und als kleiner Junge bin ich mit meinen Eltern 10 Jahre in Folge da unten gewesen.

Es ist das erste Ferienwochenende und dementsprechend sieht es auf der Autobahn aus. Der Verkehr läuft zwar recht flüssig, aber es ist voll. So richtig – und das trägt nicht zur Entspannung bei. Viele der Leute hinter’m Steuer scheinen das letzte Mal vor einem Jahr unterwegs gewesen zu sein und müssen sich erst wieder an Lenken, Blinken, Bremsen und das ganze Drumherum gewöhnen zu müssen. Ich frage mich, wie die unfallfrei durch’s Leben kommen. Die linke Spur voll mit einer Wagenlänge Abstand zwischen den Autos und rechts alles frei. Wehe man versucht dann – läuft man tatsächlich mal auf einen LKW auf – zum Überholen die Spur zu wechseln, da wird geblockt und abgedrängt. Und ich rede hier nicht von rechts überholen. Diese Idioten könnten derbe zur Verflüssigung des Verkehrs breitragen, wenn sie eben nicht alle nur eine Spur belegen. Ich bin kilometerweit neben einem E320-Fahrer hergezuckelt, der während der Zeit wahrscheinlich die Hälfte seiner Bremsbeläge weggeschreddert hat, während ich nicht einmal das Bremspedal berührt habe. Einfach mal gelassen sein, Abstand halten und wenig Gas geben. Alles kein Problem.
Eigentlich hatte ich vor, bis hinter die österreichische Grenze zu fahren und dort ein paar Stunden zu schlafen, aber bei dem Verkehr war an ein derartig zügiges Vorankommen nicht zu denken. Auch der obligatorische Stau hat uns irgendwann erwischt, auch wenn das Navi ausgerechnet in dem Augenblick freie Fahrt ansagte. Immer dann, wenn die Linie rot war und fröhlich Verzögerungen durch den Stau im Display erschienen, ging es flüssig voran. Vielleicht sollte Garmin da mal nachbessern ;-)

Fest vorgenommen hatten wir uns auch, dass nur so lange gefahren wird, wie es die Augen mitmachen. Alex sitzt unter Reiseverkehrumständen nicht gerne auf dem Fahrersitz und mir macht das sogar Spaß. Also ging es nur um meine Müdigkeit. Und die begann sich dann gegen Mitternacht doch zu melden. Wir hatten München gerade passiert und begannen nach einer halbwegs ruhigen Raststelle zu suchen. Wie alle anderen auch. Die dir vorher auf der Fahrbahn das Leben schwer machten ;-) taten dies nun auf den Parkplätzen. Alles rappelvoll. Der erste Versuch eine Mütze voll Schlaf zu nehmen scheiterte am Krawall, der dort herrscht. Himmel, wollen die denn nicht auch ausruhen, wenn man dort nachts hält? Da wurde mit ohrenbetäubender Lautstärke telefoniert, Musik hämmerte aus den Autos und irgendwo stritt sich immer jemand.

Also die Plünnen wieder gerichtet und wieder auf die Bahn. Aber nur für ein paar Kilometer, weil wir uns entschieden haben, nicht wieder einen Rastplatz an der Autobahn zu nehmen, sondern einfach irgendwo eine kleine Ausfahrt zu suchen und uns dann in irgendeinen Feldweg zu quetschen. Und wir hatten ausnahmsweise mal Glück und fanden eine Ausfahrt, an der exakt so ein Parkplatz wie für uns gemacht war. Ein extra angelegtes asphaltiertes Rund, an dessen Rad man sternförmig parken konnte. Das nutzten auch schon einige und wir stellten uns da mit zu. So gegen 2 Uhr stand der Motor.
Tim schlief schon ewig und Alex rollte sich auch zusammen und war schnell weggenickert. Nur ich nicht :-( Draußen war der Himmel tiefschwarz und am Horizont blitzte es, dass es einem Angst und Bange wurde. Der Donner kam auch immer näher. Zusätzlich begann es recht ordentlich zu stürmen. Wie soll ich da in Angst um den Wagen einschlafen? Neben uns parkte kurz darauf noch eine junge Frau mit ihrem Lupo, die einfach nur stur gerade aus guckte. Bis ca. 10 Minuten später ein Passat neben ihr hielt, sie schnell auf dessen Beifahrersitz wechselte und wild mit dem Fahrer zu knutschen begann. Das dauert aber nicht lange, weil sie dann anfingen zu poppen. LEUTE, ich will hier schlafen! Muss wohl auch geklappt haben, denn ich wurde vom Türenklappern und starten des Lupo-Motors geweckt.

Irgendwann um kurz vor 5 war das, danach habe ich dann noch mal 20 Minuten genickert, bis ich Alex geweckt habe, und wir wieder auf die Piste gingen. Tatsächlich befanden wir uns schon in den Bergen – oder zumindest dem was man als Westfale so für Berge hält.

Glücklicherweise hatten wir Radio gehört und wussten daher, dass es besser ist, nicht durch den Tauerntunnel zu fahren. Nur noch Blockdurchlass mit entsprechender Wartezeit. Unabhängig davon habe ich vorher schon gesagt, dass ich viel lieber über den Pass fahren würde – was wir dann auch schick gemacht haben. Schön steil rauf musste der Volvo uns wuchten, hat aber problemlos geklappt. Ganz im Gegensatz zu ein paar anderen Reisenden, die mit offener Motorhaube am Wegesrand standen.

Habe ich schon mal gesagt, dass ich die Berge mag? Diese kleinen Bäche überall, die Täler, die Klüfte. Kein unendlicher Horizont, sondern etwas wo sich das Auge dran aufhalten kann. Toll.


Und weil es so schön war – und wir bzw. die Tante im Navi die richtige Auffahrt verpasst haben – fuhren wir auch gleich noch auf die Katschberghöhe hinauf. Dabei machte sich dann sehr schnell die Kupplung durch eher unangenehmen Geruch bemerkbar. Man kann da im dritten Gang rauf schießen, muss es aber nicht ;-) Man muss aber auch nicht im ersten Gang mit 25 da rauf schleichen, wie es der A4-Fahrer am Anfang der Schlange machte, in der wir uns nach ein paar hundert Metern befanden. Kerl, das macht den Wagen auch kaputt!
Die Gasanzeige bedeutete uns auch schon geraume Zeit, dass der Tank nun leer sei und am Berg piepte sie dann vernehmlich und zwang damit zum Umschalten auf Benzinbetrieb. Gut, dass ich zwei Tanks habe :-) Nur fahren die Österreicher nicht mit LPG. Entsprechend dünn ist das Tankstellennetz. Wenn man dann endlich eine passende Zapfsäule gefunden hat, dann ist die stark begehrt – 20 Minuten anstehen. Dafür musste man nicht selbst tanken und bekam noch die Windschutzscheibe geputzt.

Im Auto bekamen wir von den Außentemperaturen kaum etwas mit – Klimaanlage sei Dank. Darum störte auch der immer noch dichte Verkehr nicht besonders. Der wurde auch nach dem Karawankentunnel auf slowenischem Gebiet nicht weniger. Aber man darf da ja sowieso nur 130 fahren. Ljubeljana passierten wir zügig und sahen bald die ersten Hinweisschilder auf Koper. Ratzfatz waren wir dann auch schon da, noch 30 Kilometer bis zum Ziel. Einmal links abbiegen, den Berg hoch und … Stau. Steil bergauf, Serpentinen und beide Spuren mit Stillstand. Die Sonne stand senkrecht am Himmel, es war inzwischen 12:30 Uhr, und im Auto zeigte das Thermometer trotz Klimaanlage 55°C … ist ja sicher bald vorbei.

Das “bald vorbei” zog sich allerdings ganz schön hin. In der Mitte der beiden Fahrspuren schlängelten sich völlig schmerzbefreite Rollerfahrer nach oben und noch waghalsigere Motorradler fuhren sogar auf der weissen Linie zwischen uns und dem Gegenverkehr Richtung Grenzübergang. Nach einer halben Stunde und ca. 500 Metern war ich schon ziemlich nörgelig. Einige andere hatten bereits trotz Gegenverkehr und doch eher wenig Platz gewendet und (wahrscheinlich) die längere Küstenstraße als Ausweichroute genommen. Wenn die mal nicht genauso voll sein würde.

Alles jammern und wettern nützte nichts, es ging so langsam voran, wie es eben ging. Das bedeutete, dass wir für ca. 11 Kilometer in der sengenden Sonne geschlagene 2 Stunden Stop & Go bis zur kroatischen Grenze benötigten. Der kleine Junge war ziemlich tapfer, begann irgendwann aber doch über abwechselnd Kopf-, Bauch- oder Halsschmerzen zu klagen. Ich habe in der Zeit mehrfach die Grenze, die Grenzer und die Beamten im Allgemeinen verflucht und diverse Krankheiten für sie und ihre Familie ausgedacht. Tatsächlich haben die uns dann aber eher gelangweilt und desinteressiert durchgewunken. Nur vereinzelt sah ich einen geöffneten Kofferraum. Es war einfach zu voll. Obwohl es nach den Grenzanlagen doch deutlich flüssiger voran ging. Ein bisschen was hätte man mit der Öffnung weiterer Kontrollstellen schon beschleunigen können.
Egal, wir sind fast da. Einige Minuten später hatten wir unseren ersten Blick auf’s Meer! Nicht nur wie in Koper mit Kränen und Industrieanlagen, sondern so richtig türkisblau, mit Sonne und Wald. Endlich!

Ab hier hätte die Tante im Navi auch ruhig sein können, der Weg war mir bekannt. Leider mussten wir dann doch noch unvermittelt anhalten, weil der Nachwuchs nicht mehr konnte und meinte, er müsse brechen. Kam aber nix – war wohl nur die Hitze und das zuckelige Fahren und die Aufregung. Die letzten 5 Minuten bis zur Rezeption von “Solaris” hat er gut überstanden. Schnell eingecheckt und dann parkte der Volvo unter dem weinberankten Carport unseres Appartments (naja, und dem von hundert anderen auch!).

Das Appartment ist ganz schick, hat 38m² Fläche, ein Schlafzimmer, eine Schlafcouch, Fernseher, Küchenzeile, Esstisch, Südwestbalkon (der trotzdem komplett im Schatten liegt, dank hochstehender Sonne und grossem Dachüberstand) und … Klimaanlage! Gut investierte 5 Euro pro Tag. Ist nachts echt angenehmer, wenn man nicht in dem durchgeglühten Mauerwerk schlafen muss.
Wir haben schnell unsere Taschen aus- und die Schränke eingeräumt, ein bisschen ausgeruht, uns aller Kleidung entledigt und sind nebst Handtüchern und Taucherbrillen gegen 16 Uhr am Strand zum Strand gepilgert – oder besser der Küste. Die ist in Kroatien ja eher felsig. Das Wasser war pullerwarm, glasklar und mit ganz wenig Wellen. Super! Dick eingecremt haben wir unsere weisse Haut in die Sonne gehalten, nachdem wir ausgiebig im Meer geplanscht haben. Der Urlaub beginnt!
Weil wir keine Uhr mithatten und uns die Zeit auch nicht interessierte, sind wir dann irgendwann zum Appartment zurück, haben geduscht und zur Feier des Tages sind wir essen gegangen. In den Grill, in dem Alex und ich vor 9 Jahren schon ein paar Mal gegessen haben und damals sehr begeistert waren. Da waren wir frisch verheiratet, mit dem Zelt unterwegs und hatten das Essen als lukullisches Mahl in Erinnerung. Schlecht war es heute auch nicht, aber mit dem Meer im Hintergrund und unter Pinienbäumen schmeckt auch eine einfache Pommes mit Hackbällchen wie Ambrosia. Und das Bier erst, das floss sogar mir wie Honig durch die Kehle. Obwohl ich’s ja gar nicht so mag. Mit einem kurzen Spaziergang am Meer entlang endete der Tag für uns!

