andreas edler - mein Senf

Weserradweg vom 28.04.2006 – 01.05.2006
von Bad Oeynhausen nach Hannoversch-Münden (und Kassel)

Freitag | Samstag | Sonntag | Montag

Sonntag: von Bad Karlshafen nach Hannoversch-Münden

Tunneldurchfahrt

Der Sonntagmorgen präsentierte sich leider nicht sonntäglich. Wolken mit ganz, ganz wenigen blauen Flecken dazwischen. Und die Hand aus dem Fenster gestreckt signalisierte "heute keine kurze Hose!". Mit dem Wetter hatten wir bisher nur insofern Glück, als es trocken war. Gegenwind und gefühlte Minustemperaturen machen wirklich keinen Spaß. Auch meinem Kopf ging’s ziemlich beschissen. Der kalte Wind auf der Stirn sorgte trotz Mütze für sporadisches Stechen und Ziehen. Den beiden anderen schien es besser zu gehen.

... und wir sind doch gefahren!

Nachdem wir die Räder wieder beladen hatten, überquerten wir die Weser und machten uns wieder auf den Patt. Hier wird der Radwanderer durch den direkt an den Fluß angrenzenden bewaldeten Hang geführt. Mit Schotterwegen und wie wir schnell feststellten noch fieseren Wegen. Was man da auf 50 Meter als Radwanderweg geboten bekommt ist schon eher ein Single-Trail. Wäre ich mit einem Rennrad unterwegs gewesen, hätte ich es tragen müssen! Alle Achtung vor der nachfolgenden Gruppe, die sogar mit einem Kinderanhänger da durch ackerte.

Gierseilfähre in Wahmbeck

Ging teilweise ganz schön steil hoch auf diesem Teil, dafür wurde man danach mit einer rasanten Abfahrt entschädigt. Die war sogar mit "Radfahrer absteigen – 26% Gefälle" beschildert. Mal ehrlich: sind wir Mädchen? Trotzdem nur 45,6 km/h als Höchstgeschwindigkeit auf der Uhr. War immerhin auch etwas kurvig. Nach 4 Km betulicher Fahrt kamen wir dann in Wahmbeck an, wo die Weser mit einer Gierseilfähre überquert wird. Dabei treibt der Fluß die Fähre mit der Strömung von einer auf die anderen Seite. 70 Cent kostete die Überfahrt pro Person. Lars und Michael haben schnell ausgerechnet, dass der Fährschiffer ein reicher Mann sein müsse bei geschätzten 100 Passagieren täglich. Haben wohl die Wintermonate nicht eingerechnet :-)


Rathaus in Gieselwerder

Auf den nächsten 3 Kilometern kürzt der Radweg wieder einen großen Flußbogen ab und wir erreichten gegen den Wind gebeugt die Fähre in Lippoldsberg. Aber mehr als einen kurzen Blick gönnten wir der nicht, immerhin stand heute der Weserkuß auf dem Programm und die Strecke war verlockend kurz, so daß besonders Lars alles gegeben hat *fg* Immer vorneweg und sehr zügig. Ratz-Fatz waren wir in Gieselwerder. Hier gab’s offensichtlich eine Konfirmation und wir begutachteten die in Anzüge und Kleidchen gewandeten Teenies bei ihrem Marsch in die Kirche (und kauften beim Bäcker noch ein paar Riegel). Gieselwerder wird in der bikeline Karte gar nicht besonders erwähnt, ist aber ein recht hübscher kleiner Ort mit einem schicken Rathaus.

super Wetter hinter Oedelsheim

Nachdem wir hier wieder über eine Brücke den Fluß querten, ging es vorbei an Oedelsheim weiter Richtung Flußquelle. Nach ca. 4 Kilometern und einer kleinen Anhöhe fanden wir einen schicken Rastplatz, wo wir es uns beqeum machten und über das Pärchen wunderten, welches hier ebenfalls rastete. Nicht weil die so besonders waren, sondern weil wir sie schon dreimal überholt hatten. Es bringt offensichtlich gar nichts, mit einem 20er Schnitt das Gepäck durch die Gegend zu kutschieren, wenn man dafür an jedem Kieselstein anhält um zu fotografieren (240 Bilder habe ich nach der Tour mehr auf der Festplatte), ‘nen Riegel zu essen oder einfach nur zu gucken. Noch kurz die Eltern angerufen und angegeben, wie gut das Wetter bei uns war. Die Sonne schien, der Himmel war blau, alles bestens.

Hagel bei Bursfelde

10 Minuten später und ein paar Kilometer weiter fuhren wir nach Bursfelde hinein. Der Himmel war pechschwarz, es war plötzlich kalt geworden und wir machten kurz Halt um das ehemalige Benediktinerkloster in Augenschein zu nehmen. Hier waren reichlich Radler, da Bursfelde ein Gasthaus mit großer, überdachter Terrasse bietet und gerade Mittagszeit war. Alle guckten zum Himmel und waren unsicher. Michael plädierte für’s Weiterfahren. Ich glaube 2 Minuten später war er auch ganz glücklich darüber, dass Lars und ich uns für die Bushaltestelle entschieden haben. Die Hagelkörner hätten ihm sicher auch weh getan auf dem Kopf und an den Ohren.

abwechslungsreiche Landschaft

Während des Wartens habe ich schon mal die Radkarte umgeblättert und da war auch schon unser Tagesziel: Hannoversch-Münden. Da wo die Weser entspringt. 21 Kilometer nur noch! Als es etwas aufklarte machen wir (und andere) uns wieder auf den Weg. Schnell hatten wir die vor uns fahrende Gruppe überholt und fuhren durch Glashütte, vorbei an der Märchenbuche Richtung Reinhardshagen. Immer in Sichtweite der Weser – ich erwähnte es womöglich schon mal: dieser Teil des Weserradweges ist definitiv der schönere und interessantere als das Stück ab Minden bis zur Küste. Lediglich etwas besseres Wetter hätten wir uns gewünscht.

künstliches Biotop bei Gimte

Hinter Reinhardshagen folgt auf der anderen Weserseite Vaake und hinter dem nächsten Weserbogen beginnt ein sich ziemlich ziehender Anstieg bis kurz vor Gimte. Hat man diesen "Berg" erklommen wird man oben auf dem "Gipfel" mit einem kleinen Rastplatz belohnt. Hier kann man von einer Aussichtsplattform den Blick auf ein aus Kiesteichen geschaffenes Biotop werfen. Sieht von oben sehr urwüchsig aus. Ansonsten ist dieser Rastplatz nicht besonders einladend. Wesentlich angenehmer gestaltete sich die Abfahrt auf der Straße nach Gimte hinunter.

Wo alles beginnt ... Werra und Fulda!

Und nun Endspurt, 5 Minuten durch den Ort, noch ein zwei Kurven und – zack – am Ziel! Endlich wissen wir, wo die Weser herkommt. Eigentlich hätte ich erwartet, dass der Radweg eine besondere Führung an dieser Stelle hat, aber man fährt ganz profan an der Hauptstraße entlang Richtung Innenstadt. Nix mit besonderer Aussichtsplattform oder so. Egal, trotzdem zufrieden. 210 Kilometer gefahren, Gegenwind, Kälte und Hagel und trotzdem trocken geblieben. Hat Spaß gemacht! Und heute war auch noch der 30. April … also "Tanz in den Mai", mal schaune was das Dorf Hannoversch-Münden zu bieten hat.

Marktplatz in Hannoversch-Münden

Aber davor war erst einmal Quartiersuche angesagt. Die Touristinfo in der kleinen, fachwerkgeschmückten Innenstadt hätte seit 5 Minuten geschlossen gehabt, wenn schon Mai gewesen wäre. So hatte sie erst gar nicht geöffnet. Wir haben trotzdem einen Hotelführer bekommen und einige Hotels mit 3-Bettzimmern in der Innenstadt ausfindig gemacht. Schon beim zweiten – dem Aegidienhof – konnten wir unterkommen, denn dort war noch ein sehr schönes Dreibettzimmer zu haben. Und dort haben wir uns dann erstmal heiß geduscht und umgezogen. Man kommt nämlich doch ins schwitzen, auch wenn es nicht so warm ist.

... wo Werra und Fulda sich küssen ...

Das Hotel Garnie Aegidienhof ist sehr schön zentral in der Altstadt gelegen und wurde gerade renoviert. Für die Räder gibt es extra eigenes Haus, welches vom Wirt persönlich auf- und zugeschlossen wird. Da kann man beruhigt sein. In Hann. Münden haben wir dann erstmal die Innenstadt erkundet und einen kleinen Snack zu uns genommen – auch wenn der als Riesencurrywurst angekündigt war, war’s nicht mehr als ein Würstchen von Stahls. Danach selbstredend an die Weser um das obligatorische Foto am Weserstein zu machen. Wie sollen wir sonst beweisen, dass wir wirklich da waren? Lange haben wir uns aber nicht dort aufgehalten, denn es war trotz strahlendem Sonnenschein sehr windig und kalt, mir brummte der Kopf und Michael hatte nur seine dünne Radjacke an.

müder Krieger

Ich ging also zurück ins Hotel um mich ein wenig hin zu legen und die beiden anderen Jungs sondierten schon mal die Gastronomie bzw. machten es sich in einer Kneipe bei einer Party Billiard gemütlich. Nach 2 Stunden habe ich dann mal per SMS nachgefragt, wie es mit Essen aussieht und wir suchten eine gemütliche Pizzeria auf. Danach hatte ich beim besten Willen keine Lust mehr auf Party und habe Lars und Michael allein in den Kurbelkasten geschickt um in den Mai zu tanzen. Hätte ich gewusst, dass das ein umgebautes Kino ist, wäre ich vielleicht doch noch mitgegangen. So habe ich mich aber ins Bett gelegt und für den nächsten Tag ausgeruht. Allzulange haben es die beiden anderen dort auch nicht ausgehalten, so dass um kurz nach 1 Bettruhe angesagt war. Sind ja auch schon alte Herren! ;-)

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Andreas am 30.04.2006 um 22:23 |
Einkaufen?!

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