Weserradweg vom 04.05.2005 – 07.05.2005
von Bad Oeynhausen nach Cuxhaven Bremerhaven
Mittwoch | Donnerstag | Freitag | Samstag
Freitag
Das Frühstück im Ibis war dem Preis angemessen. Geschlafen haben wir auch prima. Kann weiter gehen. Das Ziel hatten wir schon am Vortag ein wenig näher herangeholt. Cuxhaven war gestorben, da hätten wir nach Bremerhaven ja noch mal gut 65 Km dran hängen müssen.
Nochmal 20 Km weiter als wir am Donnerstag schon gefahren waren. Und das Wetter sollte nicht besser werden! Nene! Also hatten wir etwas mehr Zeit für weniger Kilometer und bummelten erstmal durch Bremen um Beweisfotos zu machen :-)
Die Stadtmusikanten, der Roland und all die Sachen. Wir mussten uns zwar mit angetrunkenen Horden übriggebliebener Vatertagsfeierer und kreischenden Japanerinnen um einen "freien" Platz zum Fotografieren arangieren, aber wenn jeder die andere Gruppe knipst, dann klappt auch das.
Ungefähr eine Stunde gondelten wir so durch Bremen und haben hier und da geguckt. So richtig konnten wir uns nicht finden. Ständig ging der Blick nach oben, denn der Himmel sah echt bedrohlich aus! Es war mir fast zu kalt mit meinen zwei Radlerhosen und es nieselte zwischendurch. Als es besonders dunkel wurde, suchten wir Unterschlupf in einer Hofeinfahrt …
… und als dann plötzlich erbsengroße Hagelkörner vom Himmel fielen, hatte ich echt keinen Bock mehr! Ich habe Lars dann vorgeschlagen, den Zug nach Hause zu nehmen und abzubrechen, wenn es nicht kurzfristig aufhören würde. Der war aber von der Idee gar nicht begeistert ;-) Und wirklich hörte der Hagel recht fix auf und es nieselte nur noch … tja, geht’s halt weiter.
Aus Bremen raus haben wir natürlich auch nicht auf Anhieb den richtigen Weg gefunden – dachten wir. Aber nachdem wir einen netten Passanten gefragt haben, sah es doch gar nicht so verkehrt aus. Die Beschilderung des Weserradweg ist wirklich manchmal besch… äh … schlecht. Wir fuhren bei sehr wechselhaftem Wetter nahe der Weser entlang auf dem Deich. Ich fand’s ab hier auch interessanter als von Nienburg bis Bremen.
Auf dem Weg lagen Seehausen, Hasenbüren und das Sperrwerk bei Ochtum. Alles sehr nett anzusehen und wir haben recht häufig angehalten um uns umzusehen oder ein bißchen was zu essen und zu trinken. Heute war ja Freitag, kein Feiertag und wir haben uns bei einem Schlecker-Markt ordentlich eingedeckt! Sehr komfortabel! Am Radweg selbst findet man nämlich nicht sonderlich viele Möglichkeiten um sich zu verpflegen. Das mag im Sommer besser sein, aber Anfang Mai war der Weg noch nicht so befahren.
Es war zwar immer noch sehr bewölkt und der Wind war noch schlimmer als am Donnerstag, aber es wurde immer wärmer. Zudem hatten wir uns geeinigt, dass ein 20er Schnitt indiskutabel ist. Das machte die Sache entspannter – wir wollten ja auch nicht mehr bis an die "richtige" Küste. Also war mehr rechts und links gucken angesagt. Ziemlich flach hier oben, aber auch sehr schön.
Inzwischen hatten wir Deichshausen und Lemwerder hinter uns gelassen. Die Strecke ist potteben und führt immer hinter dem Deich entlang. Alle 10 Minuten haben wir uns über den Wind aufgeregt. In Lemwerder kam dann noch Regen dazu. Anhalten und Regenklamotten raus. Den gröbsten Schauer haben wir abgewartet, sind bei Nieselregen losgefahren … und haben nach 5 Minuten alle dichten Klamotten wieder ausgezogen. Der Regen hatte aufgehört. Ganspe, Warfleth und Bettingbühren waren bald Geschichte. Kurz vor Elsfleth geht’s dann über die Hunte.
Aber eine normale Brücke gibt es da nicht. Der Radweg führt auf den Bahndamm hinauf, wo nur ein Wechselgitter als Übergang fungiert. Lars war gerade über die Schienen rüber, ich hatte mein Rad noch auf dem Überweg und fotografierte über die Brücke, als plötzlich tatsächlich ein Zug um die Ecke kam. Ich konnte mein Rad zwar noch vom Übergang schaffen, aber ein Schreck war das schon :-o Für Radler mit Anhänger ist hier übrigens schwieriges Gelände: die Brücke ist so schmal, dass wir mit unseren Satteltaschen so gerade durch kamen.
Direkt hinter dieser schmalen Stelle fuhren wir nach Elsfleth hinein. Ein Stück am Hafen entlang und sobald man links in die Innenstadt abbiegt, guckt man direkt in den Lauf einer Kanone :-) Sah lustig aus. Ab hier haben wir dann die Kilometer gezählt. Wir waren zwar nicht so groggy wie am Vortag, aber der Wind hat eher zu- als abgenommen und trotz etwas besonnener Fahrweise steckte uns der Vortag noch in den Knochen.
Bis Brake noch 11 Km direkt an der Weser entlang. Immer hinter’m Deich. Potteben und wenn wir Rückenwind gehabt hätten, wäre das Grinsen wahrscheinlich nicht aus dem Gesicht gewichen. So quälten wir uns über Oberhammelwarden, Käseburg und Kirchhammelwarden immer vorbei an den unvermeidlichen Schafen bis nach Brake. Hier sieht es fast schon nach "Meer" aus.
Und jetzt Endspurt: noch ca. 20 Km bis Nordenham und von dort 9 bis zur Fähre in Blexen. Das wäre doch gelacht, wenn wir das nicht mehr hinbekommen. Das Tempo hat bei uns beiden ein wenig angezogen. Das Ende der Tour war in Sicht. Der Weserradweg führt von hier ein wenig weg vom Fluß. Auf halber Strecke passierten wir Rodenkirchen – allerdings hatten wir unterwegs gar nicht mehr so rechtes Interesse an Sehenswürdigkeiten ;-) In Kleinen wunderte sich Lars über den fertig gestellten Tunnel … und zack: der erste Leuchtturm der Tour!
Wenn man’s genau nimmt, waren wir richtige Glücksschweinchen. Das Wetter stand die ganze Zeit auf der Kippe, aber wir sind kein einziges Mal naß geworden. Einmal nur die Regenklamotten an … und das nur für 5 Minuten. Ich bin immer mit kurzer Hose gefahren, weil es warm genug war. Nur der Wind hat ein bißchen gewaltig gestört.
Allerdings wurde es jetzt kurz vor der Fähre wieder arg dunkel. Sehr ungemütlich. Um 17.05 Uhr hatten wir es dann endlich geschafft. Das Weserschlösschen stand an der Rampe zur Fähre. Die nächste Fuhre würde in 15 Minuten fahren und wir hatten nichts gegen die kleine Pause. Viel los war nicht, ein Golf Cabrio stand an der Schranke als die Fähre anlegte.
Die Überfahrt war lustig. Der Kahn schwankte hin und her weil es aufgrund des Windes richtig Seegang gab :-) Ein Punto aus MI stand direkt vor uns und der Fahrer war ein bißchen erstaunt, als wir ihm eröffneten aus Bad Oeynhausen zu sein *g* Ein bißchen stolz waren wir schon, als wir auf das (Zweit)Ziel unserer Fahrt zuschipperten.
Und wieder hatten wir Glück: der Regen setzte erst ein, als wir auf der überdachten Fähre waren. Wieder nicht naß geworden. Das hätte ich mir am Morgen in Bremen echt nicht gedacht. Ich bin davon ausgegangen, dass wir durchnäßt und demotiviert irgendwo zwischendurch aufgehört hätten. Insgeheim war Brake als "Notziel" auserkoren worden. Aber so hat es natürlich richtig Spaß gemacht!
In Bremerhaven angelegt und gleich zum Columbus-Center gefahren. Unterwegs hatten wir nicht nach möglichen Unterkünften in unserer Karte geschaut und wir hatten keine Lust groß rumzutelefonieren. Also wollten wir zur Touristikinfo um dort was zu suchen. Ich bin draußen geblieben und habe die Räder "bewacht" und Lars war ein paar Minuten im Center an der Info. Wir haben das letzte Zimmer im "Atlantic" bekommen. 53 Euro incl. Frühstück – günstig und gut. Aber 2 Km davor verließ mich das Glück. Ein mißglückter Schaltvorgang trennte die Kette :-( Ich hasse Öl an den Fingern, aber Reparatur muß sein. Nach 5 Minuten ging’s unter Flüchen weiter!
Das Zimmer war sehr geräumig, aber ich war so in Brast wegen der gerissenen Kette, dass ich die Tür mit dem blöden Touchkey nicht aufbekam und Lars die Klotten gegeben habe :-) Der hat das Schloß dann irgendwie geöffnet und um ziemlich genau 19 Uhr lagen wir auf den Betten. An der Info hatte man uns einen kleinen Italiener um die Ecke empfohlen und so saßen wir bald darauf bei einer leckeren Pizza und ‘nem kühlen Pils. Danach ging’s pünktlich in die Falle … lange nicht so oft so früh im Bett gewesen ;-)


















